Gut 2 Jahre nach der Miniaturstadt wurde das Angebot von Minidomm um ein Autokino erweitert. Die Eröffnung am 20.08.1969 wurde gebührend gefeiert, auch unter musikalischer Begleitung des Tambourcorps Lintorf und der Feuerwehrkapelle Lintorf, die den Großen Zapfenstreich spielten. Danach gab es ein Feuerwerk, bevor mit „Morgens um 7 ist die Welt noch in Ordnung“ der Eröffnungsfilm lief.
Für das Kino hatte man praktisch am Rand des schon bestehenden Parkplatzes eine große erhöhte Leinwand aufgestellt. Die Besucher fuhren mit ihren Autos auf den Parkplatz und konnten nach Einbruch der Dunkelheit die angebotenen Filme unter freiem Himmel sehen. Der Parkplatz war entsprechend umgebaut worden, die einzelnen Stellplätze waren auf die Leinwand ausgerichtet und verfügten über Säulen mit Lautsprechern, die an die Außenspiegel gehängt wurden. Zudem hatten die Stellplätze kleine Wölbungen erhalten, auf die man mit dem vorderen Teil des Wagens fuhr, sodass die Autos vorne leicht erhöht standen und einen besseren Blick auf die Leinwand erlaubten.
Das Autokino war eine sinnvolle Ergänzung und konnte die Kapazitäten des Freizeitparks mit dem Parkplatz und der Grillstube weiter auslasten. Darüber hinaus stellte Minidomm sich breiter auf und konnte ein Publikum anziehen, das sich sonst vielleicht nicht für die Miniaturbauten interessierte. Die Grillstube hatte während des Films geöffnet, für eine Bestellung drückte man einen Knopf auf der Säule, wonach ein Mitarbeiter zum Auto ging, die Bestellung aufnahm und sie später zum Wagen brachte. Das Programm lief grundsätzlich ganzjährig und bei jedem Wetter. Im Winter gab es kostenlose Heizlüfter und später konnte man sich für kleines Geld ein Regendach ausleihen.
Die 576 Quadratmeter (18 m x 32 m) große Leinwand konnte von etwa 600 Stellplätzen aus betrachtet werden. Sie wog mit den Stahlpfeilern gut 50 Tonnen und war um 8 Grad nach vorne geneigt. Zur Verbesserung der Bildqualität hatte man sie mit einem speziellen Lack aus dem Flugzeugbau überzogen. Der Filmprojektor, ein Bauer U3, stand etwa 120 m von der Leinwand entfernt. Auch das Autokino war in Eigenregie der Familie Dommel gebaut worden und kostete 3,2 Mio. DM einschließlich Umbau des Parkplatzes. Dabei hatte man auch etwas Glück, denn schon 1956 plante die amerikanische Filmgesellschaft Metro-Goldwyn-Meyer, in (Ratingen-)Breitscheid ein Autokino zu eröffnen. Das zerschlug sich aber wieder und zwei Autokinos hätte es im selben Ort vermutlich nicht gegeben. Das Kino leitete Georg Dommel.
1967 standen Autokinos noch am Anfang ihrer Entwicklung und waren in den 1960er-Jahren als Trend aus den USA nach Deutschland geschwappt. Wie in West-Deutschland generell, entstanden auch in der Region ab Ende der 60er-Jahre neben Minidomm zahlreiche Autokinos, z.B. 1967 in Köln, 1968 in Essen, Gelsenkirchen und Schwelm, 1969 in (Bochum-)Wattenscheid und Pulheim. Minidomm soll das 11. Autokino in Deutschland gewesen sein.
Anders, als die klassischen Kinos durften Autokinos die neuesten Filme nicht zeigen. Das Kinoprogramm von Minidomm bot einen bunten Mix aus Erfolgen der vergangenen Jahre, Klassikern, B-Movies, Western, Karatefilmen sowie nach der sogenannten sexuellen Revolution insbesondere Erotik-Filme und Sex-Komödien. Filme liefen meist 3-4 Tage lang bis zum Programmwechsel.
Bis 1973 gab es täglich eine Abendvorstellung, die je nach Jahreszeit etwa gegen 21 Uhr begann. Der Einlass und die Grillstube öffneten dabei um 20 Uhr, zur Unterhaltung wurden Schallplatten gespielt. Die Werbung begann um 21 Uhr, der Hauptfilm um 21:30 Uhr und um 23:00 war die Vorstellung beendet. Von Freitag bis Sonntag kam eine Nachtvorstellung hinzu, hier begann die Werbung um 23:30 Uhr. Zusätzlich gab es je nach Jahreszeit Jungendvorstellungen, die schon um 18 Uhr begannen. Ab 1974 fand die Nachtvorstellung täglich statt.
Die heute übliche Umstellung auf die Sommerzeit gibt es erst seit April 1980, vorher galt quasi durchgehend die Winterzeit. Der Wechsel stellte die Betreiber von Autokinos vor ein Problem, da der Sonnenuntergang nun später einsetze. Die Abendvorstellung konnte erst gegen 22 Uhr beginnen und die Nachtvorstellung oft erst nach Mitternacht. Damit verschoben sich auch die Spielzeiten nach hinten, was z.B. für Berufstätige schwierig war. Allerdings scheint sich das Publikum darauf eingestellt zu haben, denn ab 1981 oder 1982 zeigte Minidomm nachts gegen 2 Uhr noch einen dritten Film. Ende 1983 probiert man es kurzzeitig sogar mit 4 Filmen. Ab etwa Mitte der 80er-Jahre durfte man ebenfalls aktuelle Filme zeigen, zu dem Zeitpunkt änderte sich auch generell die Auswahl der Filme. Dem Zeitgeschmack entsprechend wurden die Sex-Filmchen weniger, stattdessen wurde es action- und comedylastiger.
Die Besucher nahmen das Kino schnell an. Im März 1972 konnte das Minidomm-Autokino schon den 750.000 Besucher begrüßen. Die 15-jährige Christina M. war mit ihrem Freund ins Kino gekommen und erlebte eine Überraschung. Wie es der Art von Minidomm entsprach, wurde die Gelegenheit gebührend gefeiert, die Preisübergabe übernahm der Schlagersänger Howard Carpendale. Die Gewinnerin bekam neben Blumen ein Radio der Marke Teleton, damals eine bekannte japanische Marke. Im Februar 1973 hatte man die Millionen-Grenze überschritten, womit im Schnitt etwa 300.000 Besucher pro Jahr kamen. Im Jahr 1977 gründete Minidomm den Nachtschwärmer-Club, dessen Mitglieder Vergünstigungen erhielten. 1977 war Minidomm mit 520.000 Besuchern auch das erfolgreichste Kino Deutschlands, auf Platz 2 folgte ein weiteres Autokino mit 490.000 Besucher und erst auf Platz 3 kam ein klassisches Kino. Den ausdrückliche Hinweis, dass man im Minidomm-Autokino im Gegensatz zum klassischen Kino, quasi alle Haustiere mitbringen kann, nahm ein Besucher wörtlich und brachte sein Mini-Krokodil mit.
Der Erfolg hatte aber auch seine Schattenseiten. Die Zufahrtsstraßen und die Autobahnabfahrten waren regelmäßig verstopft. Vor allem zwischen Abend- und Nachtvorstellung behinderte sich der ein- und der ausfahrende Verkehr. Zudem sorgte dies bei den umliegenden Bewohnern und den Nutzern der Autobahn für großen Ärger, da es durchaus zu Verzögerungen von 30 Minuten kam.
| Preise | 1969 | 1970 | 1971 | 1973 | 1974 | 1977 | 1980 | 1982 | 1983 | 1988 |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Einheitspreis / Person | 3,50 | 4,00 | 4,50 | 5,00 | 5,00 | 5,50 | 6,00 | 7,00 | 7,00 | 8,00 |
| Familientag Mittwoch / Fahrzeug | - | 8,00 | 9,00 | 10,00 | 10,00 | - | - | - | - | 12,00 |
| Familientag Mittwoch / 1. Person | - | - | - | - | - | 5,50 | 6,00 | 7,00 | 7,00 | - |
| Familientag Mittwoch / weitere Personen | - | - | - | - | - | 2,50 | 3,00 | 3,50 | 3,50 | - |
Es gab zahlreiche Rabatte z. B. für Mitglieder des Nachtschwärmer-Clubs, für Besucher der Miniaturstadt oder wenn mehrere Filme am selben Abend gesehen wurden.
Samstagvormittags fand auf dem Parkplatz ein privater Automarkt statt. Dabei zahlten Verkäufer und Kaufinteressenten eine Eintrittsgebühr an den Veranstalter, der den Platz von Minidomm anmietete. Diese Automärkte waren damals in Autokinos weit verbreitet und eine gute Gelegenheit, eine größere Zahl von Interessenten zusammenzubringen.


